An der Supermarktkasse (2)

Teil 1: Klick.

Irgendwann kommt dann der große Moment. Man ist – schon – an der Reihe. Je nach Supermarkt kann man nun binnen Sekunden ein Sakrileg begehen, das einen aus dem Stand heraus zu einem vorbestraften Straftäter macht: „Bitte alles aufs Band legen!!!“ – „Auch den 20-kg-Karton Persil?“ – „Natüürlisch!!!“ Jetzt hat man nur noch eine Chance, die freundliche Kassiererin (Deutschland, wo sind deine männlichen Kassierer?) für sich zu gewinnen: Wer klug genug war, zuvor die Produkte barcodegerecht aufs Band zu legen, könnte beim Gegenüber ein Glückshormon freisetzen (eins höchstens), wenn die werte Kassiererin dies denn merkt.

Bei den Kassiererinnen gibt es gewisse Unterschiede. Hier seien mal ein paar Typen aufgezählt:

1. Die freundliche Ich-bin-gut-drauf-Kassiererin

Morgens um halb 10 ist die Welt noch in Ordnung, auch an der Supermarktkasse. Die Stimmung ist gerne mal deutlich besser. Als Geheimtipp unter den an freundlichen Dienstleistern interessierten Kunden gilt auch die Zeit wochentags zwischen eins und halb drei. Da ist wenig los und Entspannung pur angesagt, in seltenen Fällen sogar an der Wursttheke.

2. Die Ihr-kotzt-mich-alle-an-Kassiererin

Sie ist tendenziell etwas jünger als Nr. 1, guckt am Abend Germany’s Top Model mit dem Gefühl, um die wahre Karriere im Leben betrogen worden zu sein. Großer Fehler des Kunden: Ihr zu Beginn mit einem „Guten Tag“ zu kommen. Denn es ist schon lästig, darauf immer antworten zu müssen.

3. Die gemütliche Barcode-Scannerin

Sie ist für uns Kunden ein echter Glücksfall, weil sie die einzige ist, die einem die Chance lässt, die Produkte behutsam und sicher wieder in den Wagen zu räumen. Bei ihr kann man es eventuell auch riskieren, direkt mal vom Band in die Tüte zu räumen, weil sie die einzige ist, die dann nicht gleich ihr Herzinfarkt-Risiko erhöht, indem sie dies umgehend und schrill untersagt. Ein Hoch auf die gemütliche Barcode-Scannerin!

4. Die Aldi-Kassiererin

Sie ist das komplette Gegenteil von Nr. 3. Ihr Hochgeschwindigkeits-Scannen erlernt man offenbar nur beim Lieblingsdiscounter der Herzen. Sie ist in der Lage, so schnell unsere Produkte auf der schmalen Abräumrampe aufzutürmen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, unsere Ware auch nur einigermaßen entsprechend schnell wieder in den Wagen zu verfrachten. An ein Eintüten ist gar nicht zu denken. Dafür hilft eine Aldi-Kassiererin charmant beim Abräumen.

Diese vier Typen nimmt man alle gerne hin, gefährlich wird’s bei Kombinationen. Vier und eins ist eine häufige und erfreuliche Kombination bei Aldi. Eine Kombi aus vier und zwei ist hingegen die Hölle. Trifft man gerne in Läden, in denen man als Kunde auch die Leerkartons in den Regalen selbst wegzuräumen hat, wenn man noch etwas Ware freilegen will. Sprich: Ein Führungsproblem.

Profi-Einkäufer wissen um die Fragen, die nach dem Scannen der Ware auf einen warten. Frage Nummer eins: „Zahlen Sie bar oder mit Karte?“ Diese Frage bekommt man nur bei Aldi gestellt. Die Antwort „Karte“ hat zweierlei zur Folge: Erstens ein kurzes Tippen der Kassiererin auf eine Kassentaste, zweitens ein Augenverdrehen der nachfolgenden Kunden, im Sinne von: „Idiot. Muss natürlich auch noch mit Karte zahlen. Jetzt dauert’s noch länger.“ Die stärksten Augenverdreher sind übrigens die, die anschließend ebenfalls mit Karte zahlen. Frage Nummer zwei: „Sammeln Sie auch Punkte?“ Hier empfehle ich ein entschlossenes Kopfschütteln. Ist eh alles nur Abzocke.

Bevor man sich nun verziehen kann, warten nur noch zwei mögliche Krisenherde. Zunächst sollte man froh sein, bei ec-Kartenzahlung zu den Unterschrift-Leistern zu gehören. Denn wenn man die Geheimzahl eingeben muss, hat man meist ein Problem: An das Eingabepanel ist nicht mehr ranzukommen. Dort steht bereits der ungeduldig wartende Hintermann. Wer das Glück hat, lange Arme zu besitzen, bekommt vielleicht noch seine Chance. Wer auf ein Zurücktreten des nachfolgenden Kunden angewiesen ist, hat eigentlich verloren. Denn Zurücktreten is nich. Muss man halt damit leben, dass es einem beim Eintippen der vier Ziffern feucht auf die Finger atmet. Dein Pech. Hättst ja bar zahlen können.

Letztes Problem: Wenn man bei Abschluss des Zahlvorgangs noch nicht alles abgeräumt hat. Platz für zwei ist bei heutigen Kassen nicht mehr vorgesehen. Wer jetzt noch was in den Einkaufswagen räumen muss, nimmt am besten den Unterarm. Ansonsten kann es sein, dass man die „Guck-dir-diesen-Judas-an“-Blicke von allen Seiten noch tagelang mit sich rumschleppt. Ich habe Kassen schon wie folgt verlassen: Portemonnaie noch geöffnet in der Händ, ec-Karte im Mundwinkel. Kassenbon zwischen Ring- und Mittelfinger, den Wagen mit dem Bauch vor mich her schiebend. Schön das.

Sollte es je einen dritten Teil geben, wird er sich mit den KundInnen befassen, die, nachdem sie mit Taschenrechner alles nachgerechnet haben, wieder zur Kasse zurückkehren und die fehlenden 3 Cent einklagen. Und die, deren 10-jährige Bengel die Stretchhose für Vorschulkinder zu 2,99 wider Erwarten doch nicht gepasst hat, und die nun den Umtausch verlangen.

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Über derclownfisch

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Eine Antwort zu An der Supermarktkasse (2)

  1. Und falls es nochTeil 4 gibt: vielleicht mal ein Blick aus der Perspektive der Kassiererin, die weniger Geld bekommt, wenn sie nicht schnell genug scannt? Diese Kassen registrieren ALLES

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