Lisbeth und Kalle auf amerikanisch

„The girl with the dragon tattoo“ – Bücher gelesen, Hörbücher gehört, schwedische Verfilmung gesehen und nun gab es das Remake aus Hollywood auf DVD/BluRay. Da muss man jetzt nicht noch mal zugreifen. Hab ich aber gemacht und es auch nicht bereut.

Der Spielraum war für Regisseur David Fincher wirklich nicht groß. Niels Arden Oplev hatte ja mit der schwedischen Version alles andere als einen schlechten Film vorgelegt (aber ich weiß, das ist ja bei Hollywood-Remakes auch nicht der Punkt…). Trotzdem fand ich es spannend zu sehen, wo auch im Kleinen Unterschiede gemacht werden. Was ist mir also aufgefallen? Zeitlich geben sich die Versionen nix: 146 zu 158 Minuten. Cecilia Vanger, eine vorübergehende Bettbegegnung Kalle Blomquists, wurde von Fincher noch stärker getilgt. Dagegen hatte ich wenig einzuwenden. Die Rolle der Erika Berger, Blomquists Kollegin und Daueraffäre, schien mir ebenfalls gekürzt. Beides zusammen war dann eher nicht gut, denn Blomquist wirkt so doch viel monogamer als im Buch. Das wiederum macht Lisbeths Enttäuschung am Schluss, als sie Mikael vertraut mit Erika sieht, noch weniger verständlich.

„Verblendung“ 2011:

Die optische Umsetzung Hedestads und der Vanger-Insel ist ein klares Plus bei Fincher. Wenn sich Daniel Craig durch die schwarz-weiß-blaue Landschaft in Nordschweden bewegt, geht einem die Kälte schon beim Zusehen in die Knochen. Henrik Vangers Nazi-Bruder kommt in der Craig-Verfilmung fast sympathisch rüber – das ist unterm Strich auch missglückt. Ein Plus gibt es von mir wiederum für die Umsetzung von Lisbeths Missbrauchsszenen mit Bjurmann – in der schwedischen Version unerträglich mitanzusehen (obwohl es ja genauso gemeint war) –, die wirkten auf mich etwas zurückhaltender. Das fand ich okay, mehr Realismusliebe muss bei solchen Szenen für mich nicht sein, auch wenn diverse amazon-Rezensenten, die jede geschnittene Sekunde in Splatterfilmen wütend monieren, das anders sehen.

Und die Schauspieler? Für Lisbeth Salander, wie ich finde und hier auch schon mal gesagt habe eine der spannendsten Krimifiguren, die ich je gelesen habe, musste nach Noomi Rapace nun Rooney Mara ran. Das geht unentschieden aus. Mara schafft es ebenso gut, Lisbeth glaubwürdig zu verkörpern. Im Unterschied zum ersten Film ist Lisbeths Verlieben in Mikael deutlicher zu sehen. Das hat was, auch wenn es meines Erachtens zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Figur passt. Mikael Nyqvist gegen Daniel Craig in der Rolle des Kalle Blomquist – das verliert Craig leider völlig. Craig ist für mich in diesem Film nicht deshalb Bond, weil ich ihn schon zu sehr mit dieser Rolle identifizieren würde. Craig ist für mich in diesem Film Bond, weil er den Blomquist mit der gleichen unterkühlten Emotionslosigkeit spielt wie 007. An der Stelle entscheidet es sich für mich: Das Original ist besser, weil Nyqvist einen emotionalen, physisch wie charakterlich fehlerhaften Blomquist spielt, während Craig eine Schablone bleibt, muskelgestählt, ohne viel Einblick in Hirn und Herz. Da kann sich noch was dran ändern, weil die Zuneigung zu Lisbeth ja in den Teilen 2 und 3 noch sichtbar wächst, aber vertan ist trotzdem schon viel, denn in diesen Teilen werden Lisbeth und Kalle kaum noch gemeinsame Szenen haben. Ach ja: Laut bsw. dieser Quelle geht es ja weiter mit dem Remake und den Teilen 2 und 3, trotz der nur mäßigen Besucherzahlen des ersten Teils. Ich bleibe gespannt und neugierig.

„Verblendung“ 2009:

Eines am Schluss noch an die geistlosen Namensgeber der deutschen Übersetzungen: Eure Gleichmacherei bei Titel und Cover führt nicht nur dazu, dass Romanserien ewig gleich und ununterscheidbar sind („Vergebung“, „Verdamnis“, „Vergeltung“ – was war gleich welches Buch?), sie sind auch trauriges Dokument von Einfältigkeit und Verdummung. Was war so schlimm an den Originaltiteln „Männer, die Frauen hassen“, „Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“ und „Das Luftschloss, das gesprengt wurde“? Was stört euch an den englischen Titeln „The Girl with the Dragon Tattoo“, „The Girl Who Played with Fire” und “The Girl Who Kicked the Hornet’s Nest”? Da wurde auch fleißig parallelisiert, um wiedererkennbar zu machen, aber wenigstens kann man die Titel noch unterscheiden!

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