Facebook: Typologie der Erwachsenen

Facebook-User sind zahllos, selbst wenn man die vielen „Karteileichen“ nicht mitzählt, die nach ihrer Anmeldung das Netzwerk nicht weiter nutzen. Und trotzdem muss man nicht lange zuschauen, um festzustellen, dass es bestimmte Typen von Nutzern gibt. Diese zeichnen sich durch die eine oder andere Vorliebe aus, die sich wie rote Fäden durch die Statusmeldungen ziehen. Hier die Typologie der erwachsenen Facebook-User, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die liebende Mama

Sie postet zwei bis dreimal im Monat vorgefertigte Texte. Botschaft: Ich liebe mein Kind mehr als alles auf der Welt. Eine durchaus interessante Aussage, die zunächst ja kaum jemand bei einer Mutter bestreiten würde. Offenbar findet hier ein inneres Bedürfnis mit dem sozialen Netzwerk einen Kanal: Das Selbstbild allen kundtun wollen. Die liebende-Mama-Texte enden grundsätzlich (sinngemäß) mit: „Wenn du auch so eine liebende Mama bist, dann kopiere dies in deinen Status.“ Nach diesem Prinzip funktionieren viele Texte, die quer durch Facebook wandern. Kopier mich, sonst bist du nicht mehr Teil der akzeptierten Gesellschaft, nach dem Motto: „Was? Ich soll keine liebende Mama sein? Da kopier ich das lieber, bevor man hier zur Rabenmutter wird.“ Ähnlich funktionieren Bilder und Texte zu Misshandlungen von Tieren, Kindern, oft begleitet von noch aggressiveren Verpflichtungsversuchen: „Ich wette, dass nicht mal 10 % von euch dies in ihren Status kopieren…“ Ob Texte wie „Polizei vermisst 12jähriges Mädchen…“ oder „Dieser Mann wird verdächtigt,…“ dabei authentisch und verifizert sind, spielt meist keine Rolle.

Der Shitstorm-Verbreiter

Ein Facebook-Massenphänomen, jüngstes Beispiel: Der Wendler. Mal eben mit einem Klick an der allgemeinen Steinigung einer Person teilzunehmen und dabei sicher zu sein, dass man Teil der Mehrheit ist, das macht Spaß, ist schnell erledigt und am Ende gilt man im Normalfall sogar noch als cool. Dass man sich im Fall Des Wendlers dabei sogar noch zum Verbündeten der Bild-Zeitung macht, interessiert wenig. Relativ selten ist das Guttenberg-Phänomen, bei dem das kollektive verbale Losprügeln auf eine Gegenbewegung trifft.

Die hoffnungslose Romantikerin

Meist weiblich, aber ich gebe zu, auch ein Zitat in meinem Profil zu haben, dass diesen Trend bedient. Die hoffnungslose Romantikerin postet regelmäßig Ein-Satz-Wahrheiten oder auch mal länger ausformulierte Texte bis hin zu ausführlichen betroffen-machenden Kurzgeschichten. Das beginnt bei „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, und geht weiter mit so essentiellen Botschaften wie „Akzeptiere deinen Partner mit all (?) seinen Fehlern“, „Echte Freunde sind selten“ oder „Nur die wahre Liebe ist eine wahre Liebe“. Längere Texte erzählen gerne mal die Geschichte der barmherzigen Supermarktkundin, die sich um das bettelnde minderjährige Mädchen bei den Einkaufswagen kümmert und schließlich in ihr die verschollen geglaubte Nichte erkennt.

Der Alles-Ironisierer

Ironie ist zur gesellschaftlichen Allzweckwaffe geworden. Vieles ist nur mit Ironie zu ertragen, Ironie ist zudem cool, erhebt über andere. Ich muss mich wohl zu dieser Gruppe zählen (oder wie soll ich diesen Artikel erklären?)  Ein Risiko gibt es allerdings: Wenn die Zustimmung bei Facebook via Gefällt-mir-Akklamation oder zustimmende Lästerkommentare ausfällt.

Der Jeden-Scheiß-Poster

Das ist wohl der berühmteste Facebook-User. „Gerade erst aufgestanden“ – „lecker Kaffee bei Starbucks“ – „mal Flusen von der Jacke gebürstet“ – „heute beim Zähneputzen mal länger gegurgelt“… Nicht selten kombiniert dieser Nutzer seine existentiellen Alltagsnews mit illustrierenden Bildern (die man so manches Mal gar nicht sehen wollte).

Die Aktionsgrammatiker

Der Aktionsgrammatiker ist sich nicht sicher, ob die Botschaft, die er absetzt, richtig verstanden wird. Deshalb versieht er sie mit einem Zusatz, die meist eine Emotion ausdrückt und setzt davor ein Sternchen. Allerdings verkürzt man, häufig auf das Stamm-Morphem: Statt also ein *denkeich an seinen Satz zu hängen, schreibt man nur *denk. Häufigste Elemente der Aktionsgrammatiker: *lach oder (Steigerung!) *gröhl. Kombinationen sind denkbar, z.B. mit dem Alles-Ironisierer, dann wird aus *gröhl eventuell *gröhlchen

Advertisements

Über derclownfisch

https://clownfisch.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s