50 Jahre Elysée-Vertrag

Trotz zahlreicher Anregungen von Land, Verlagen etc. hat es bei uns an der Schule nur ein Minimalprogramm anlässlich des heutigen (22. Januar 2013) Feiertags gegeben. Man hätte für das Fach Französisch mehr draus machen können (müssen?). Französisch braucht Werbung, der Englisch-Hype ist ungebrochen, verstärkt sich noch, seitdem der bilinguale Englisch-Unterricht auf dem Vormarsch ist. Die Leute glauben allen Ernstes, dass allein mit profunden Englisch-Kenntnissen alles Sprachliche für einen (pekuniär) erfolgreichen Berufsweg bereitet sei. Diese trügerischer Glaube hat mit unserem sehr verqueren Verhältnis zur deutschen Sprache zu tun. Die werten wir gerne verschämt ab, muten Ausländern nicht zu, mehr als ein „Guten Tag“ mit uns wechseln zu müssen. Damit überall auf der Welt jeder weiß, wo im deutschen Unternehmen der Betriebsrat sitzt, nennen wir ihn lieber „work council“ und kürzen das für das Türschild pfiffig mit „w.c.“ ab.

Englisch ist die Verkehrssprache, ja natürlich, aber da kann man auch überziehen. Vor ein paar Jahren war es ausgerechnet der damalige Ministerpräsident Baden-Württembergs, Günther Oettinger, der sich diesbezüglich an die Spitze setzte, als er erklärte, dass das Deutsche künftig nur noch die Sprache des privaten Raums sein werde. Was besonders erschreckte, weil man angesichts Oettingers Englisch-Kenntnisse und -Aussprache diesen gerne zu Lothar Matthäus in die Nachhilfestunde geschickt hätte. Wenn Englisch nicht reicht, wird gerne auf Chinesisch verwiesen. Dieser Trend äußert sich an Schulen in immer mehr Chinesisch-AGs, in denen die späteren Jung-Unternehmer hingebungsvoll chinesische Schriftzeichen abmalen. Was man in Deutschland nicht sieht: Fast überall in Europa haben wir es mit Völkern zu tun, die ihre Sprache mit mehr Selbstbewusstsein betrachten und ihr mehr Wert beimessen als wir unserer deutschen Sprache. Wer in Italien, Spanien, Holland und eben auch in Frankreich nach der Begrüßung direkt in die Weltsprache Englisch wechselt, hat als Unternehmer vielleicht schon den einen Punkt verloren, den es braucht, um das Geschäft mit dem zukünftigen Partner abzuwickeln.

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft hat bei mir jedenfalls nochmal die Erinnerung an den Schüleraustausch geweckt, an dem ich in den 80ern mehrfach teilgenommen habe, und der mein Leben ganz entscheidend geprägt hat. Und eine Erfahrung haben wir als Schüler schon damals gemacht: Die Hoffnung, in der Kommunikation mit den correspondants über das Englische weiter zu kommen, weil man seinen Französisch-Fähigkeiten nicht recht traute, war trügerisch. Mit Englisch konnten die jungen Franzosen damals mehr so gar nichts anfangen. Kann man übrigens heute alles sehr gut in dem süßen Film „Französisch für Anfänger“ nach-„sehen“.

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