Geht’s raus und macht’s Theater.

Ich hab schon angedeutet, dass ich über meine Zeit mit der Theater-AG schreiben will. 10 Jahre, von 2002 bis 2012 hab ich mit Schülern Stücke einstudiert und aufgeführt, plus die kleine Zugabe neulich. Jetzt ist die Idee gereift, das ein bisschen ausführlicher zu machen, mit dieser Einführung und weiteren Blog-Artikeln für jedes Stück.

2001 nach den Sommerferien, während eines Lehrerausflugs. Ich war rund ein halbes Jahr an meiner jetzigen Schule, hatte eine überschaubare 2/3-Stelle und gerade meinen ersten LK in Französisch übernommen. Mitten im Anstieg eines erloschenen Eifel-Vulkans sprachen mich die damalige Schulleiterin und eine Deutsch-Kollegin an: Ob ich nicht interessiert sei, eine Theatergruppe zu begleiten. Die Kollegin hatte zuletzt die AG geleitet, und mit einer Sammlung von sehr… sagen wir „individuellen“ Schülern Großartiges auf die Beine gestellt („Der gelbe Vogel“, eine prämierte Inszenierung), allerdings waren die Anstrengungen und der Stress mit diesen alles andere als pflegeleichten Schülern so groß, dass sie nun nicht mehr wollte. Ich hatte meinerseits sofort die Erinnerungen an meine Schultheaterzeit vor Augen und sagte keuchend (der Berg) zu. Die Gruppe, die es schon gab und die sich auch alleine auf den Weg gemacht hätte, hatte dann doch eine ganz andere Zusammensetzung mit neuen Talenten.

9 Monate später luden wir zu meiner ersten Premiere. Dabei blieb es dann meist: Zum Schuljahresende eine Aufführung (nicht zwei pro Jahr, wie ich es als Schüler häufiger erlebt hatte und nur einmal über ein Schuljahr hinweg.) Gespielt haben wir:

2002 – Pygmalion
2003 – Die 12 Geschworenen
2004 – Ally! (Das Musical)
2005 – Der Frühstücksclub
2006 – One
2007 – Veronika beschließt zu sterben
2009 – Frühstück bei Tiffany
2010 – Callanwolde
2012 – Sophie Scholl

Einmal habe ich ein Stück geschrieben (One), ein weiteres Mal haben Schüler eine Romanvorlage (Veronika) umgeschrieben, die anderen sieben Mal habe ich mich ausschließlich von Filmvorlagen inspirieren lassen. 2003 war die Vorlage der großartige Film mit Henry Fonda, zu dem Reclam eine Textvorlage bietet. Ally basierte auf der Fernsehserie „Ally McBeal“, der Frühstücksclub lief in den 80ern im Kino als „Breakfast Club“. Frühstück bei Tiffany ist klar, Callanwolde war ein anderer Titel für die Umsetzung des Films „Herr der Gezeiten“ und für Sophie Scholl haben wir die bei dtv erschienenen Drehbuchtexte des Julia-Jentsch-Films genutzt. Ob ich ein Problem mit gelesenen Dramen hatte? Jedenfalls war die visuelle Vorlage für mich viel inspirierender* („Wenn wir das machen würden, vielleicht mit x und y in der Hauptrolle…!“).

Aber unabhängig von den Inhalten der Stücke war die Entscheidung, mit Schülern Theater zu machen, eine der besten meines beruflichen Lebens. Das Proben und die Aufführungen eröffnen ein neues Erleben von Schule und Schülern. Gemeinschaftsprojekte außerhalb des Klassenzimmers, abseits von der allgegenwärtigen Benotung, das hat mir gut getan und Schüler bringt es auch weiter. Die stark pubertierenden Jungen, die in der Klasse gerne mal eine Rolle einnehmen, die sie selbst unzufrieden macht, haben auf der Bühne oft mit ihren Fähigkeiten brilliert und sich so neu und zufriedener definieren können. Natürlich gab es auch Negativerlebnisse. Anrufe am Vormittag, in der Art „meine Tochter kann übrigens heute Abend nicht mitspielen, sie ist erkältet“ – das gab es in den ersten Jahren nicht. Auch die Verpflichtung, sich 1x pro Woche für die AG Zeit zu nehmen, wurde für einige Schüler von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Aula war wegen zunehmender Nutzung aus anderen Gründen zuletzt immer öfter nicht verfügbar. Usw., usw. Dennoch würde ich es jedem Kollegen empfehlen, mit Schülern Theater zu machen. Und bitte, die Überschrift entsprechend zu verstehen. ;o)

*Nachtrag:
Genug andere Ideen und Projekte habe ich im Übrigen auch nie umgesetzt. Mit „L’auberge espagnole“ wollte ich mal ein mehrsprachiges Stück auf die Beine stellen, da machten damals die Schüler nicht mit. „Eine Frage der Ehre“, der Film mit Tom Cruise, der auf einem Broadway-Stück basiert, den hätte ich gerne gemacht. Und eine Boulevardkomödie hätte ich gerne mal spielen lassen. Mit „Oscar“, einem Louis-de-Funès-Film ebenfalls auf Theatervorlage, war auch schon der Stoff parat und der Text besorgt.

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Über derclownfisch

https://clownfisch.wordpress.com/
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