Die 10 schrägsten ESC-Beiträge

So. Diese Woche ist es wieder soweit: Am Samstag gibt’s den „Eurovision Song Contest“ (verwende diese Bezeichnung nur unter Protest anstelle von „Grand Prix d’Eurovision“), diesmal aus Schweden. Europas größte musikalische Nabelschau: Übertriebene, lächerliche, völlig durchgedrehte Darbietungen aus allen Ecken des Kontinents, und manchmal ist sogar ein Knaller dabei. Zur Einstimmung hier eine Liste, die es schon im alten Blog gab: 10 besonders schräge Auftritte beim ESC, querbeet aus 5 Jahrzehnten. Wenn ich die Zeit finde, gibt’s diese Woche auch noch eine Liste über deutsche Teilnehmer (die froschgrüne Joy Fleming, Dorkas Kiefer mit „Wir gehm ne Pardy heut Nacht“ oder der Mutti-Tochter-Auftritt von Maxi & Chris Garden…)

Hier also das Kuriositäten-Kabinett:

Platz 10: Großbritannien 1973

Tolle Choreographie bei Cliff Richard und „Power to all our friends“. Aber: Cliff, was hast du nur für große Hände? (Oder bestellt er bei jedem „power“ einfach nur nochmal 5 Pils?)

Platz 9: Norwegen 1990

1990. Die Mauer war gerade gefallen. Da dachte sich Ketil Stokkan, dass man dem doch angemessen Reminiszenz erweisen müsse. Leider klingt es aber doch irgendwie komisch, wenn mitten in einem vermutlich schönen norwegischen Text plötzlich das „Brandenburger Tor“ (nicht ganz akzentfrei) herausgedonnert wird. Aber das man den Rest nicht versteht, ist vielleicht ganz gut. Ralph Siegels Beitrag zum Thema in jenem Jahr: „Das Wunder kann geschehen. Wir müssen einfach nur zusammen über alle Grenzen gehen.“ Danke, Ralph.

Platz 8: Jugoslawien 1991

Bei 1:30 fängt Bebi Dol, wie sich die junge Dame daheim eigentlich schrieb, mit ihrem Liedchen an. Ich finde die Balkanschreibweise eigentlich passend: Sie sagt mir: Irgendwas stimmt hier nicht. Was es genau ist…? Es könnte die Choreographie sein, die evtl. unter Stromstößen eingeübt wurde. Oder doch das Kostüm, das in gelb schon Bibo in der Sesamstraße trug? Schwierig. Was soll’s. „Brazil“ is ja eh so ein verrücktes Land. Dolce vita, Cha Cha Cha und so…

Platz 7: Norwegen 1980

Sverre Kjellsberg und Mattis Haetta singen „Samiid aednan“. Zunächst, bis zur Minute 1:19, um genau zu sein, kann sich der Song nicht so recht entscheiden. Fängt als Ballade an, nimmt plötzlich Fahrt auf, wechselt dann zum Frankieboy-Bigband-Sound und hält schließlich inne. Dann der Clou, der Auftritt des Partners. Uns offenbart sich norwegische Seele. Und was passieren kann an einsamen Abenden hoch über dem Polarmeer: Yo lolelolelo lolelowa – he yo lolelolelo lolelowa – Yo lolelolelo lolelowa – he yo lolelolelo lolelowa – Yo lolelolelo lolelowa – he yo lolelolelo lolelowa – Yo lolelolelo lolelowa – he yo lolelolelo lolelowa – Yo lolelolelo lolelowa – he yo lolelolelo lolelowa ….

Platz 6: Finnland 1976

Hier haben wir den stabilen Fredi mit seinem Heuler „Pump pump“. Fredi hat Freunde, Freundinnen sogar, wenn man genau hinsieht. Deshalb heißt das Ganze auch Fredi and his friends. Gut ist, dass Fredi Längsstreifen trägt und dunkle Farben. So denkt man wenigstens nicht sofort an Shrek. Ob er aber mit dem Kragen richtig beraten war – ich weiß ja nicht. Toll aber, wie Fredi beim Refrain mitswingt…

Platz 5: Holland 1960

Jaja, auch der „Rüdi“ Carrell hat mal klein angefangen. Beim Grand Prix. Wat een geluk, dass er hinterher doch mehr die Moderatorenkarte gespielt hat. Schuld daran hat nur die SPD.

Platz 4: Spanien 1973

Mocedades mit ihrem „Eres tu“ sind ein Grand-Prix-Klassiker, erfolgreich sogar in den USA, mit der englischen Version. Ich führe sie auch nur hier auf wegen Senor Weißes-Sakko-und-Brille. Irrer Typ. Und weil das Ganze wie eine Art Kelly-Family-Auftritt aussieht, nur eben nicht irisch, sondern mit Nichte Conchita, Onkel Manolo, Bruder José Antonio, Tante Dolores usw.

Platz 3: Israel 2000

„Ping Pong“ als Gruppenname (ich weigere mich, „Band“ zu schreiben) ist viel zu verharmlosend, um zu beschreiben, was hier auf den arglosen Betrachter zukommt. Es handelt sich offensichtlich um leichtbekleidete Anorektikerinnen, die in Tel Aviv ohne stimmliche Prüfung von der Straße gezerrt wurden, weil sie bei 3 nich auf den Bäumen waren. „Be häppi“ singt die auf Fun getrimmte junge israelische Generation. Aber wie soll man da bei so einer Schlachthofakustik häppi bleiben? Grausam.

Platz 2: Belgien 1973

Mehr 70er geht nicht: Die Kostüme von Nicole und Hugo, Schlaghosenanzüge in violett, sehen beim Refrain am besten aus: Dann nämlich, wenn die zwei mit vollem Körpereinsatz die Bühne rocken.

Platz 1: Ukraine 2007

2007, im Jahr 1 nach Lordi, gelangte Verka Serduchka aus der Ukraine auf den 2. Platz. Er bewies mit seinem „Dancing lasha tumbai“ (nicht etwa „Dancing Russia goodbye“ ) : Ein bisschen krank bringt gar nichts, wenn dann richtig. Und Verkas Auftritt (und Song) ist nun wirklich soo schräg, dass es schon wieder genial ist. Verglichen mit Lordi’s Gitarrenschlager in Horrormasken 1 Jahr zuvor, ist mir Verka sowieso tausendmal lieber. Sieben sieben, a lu lu, sieben sieben, eins zwei. Tanzen!

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Über derclownfisch

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7 Antworten zu Die 10 schrägsten ESC-Beiträge

  1. giftigeblonde schreibt:

    Eine beeindruckender Rückblick!
    Wirst du dir das Event ansehen?

  2. BOWMORE Darkest schreibt:

    Ich befürchte, dass diese Song Contests generell nur noch schräge Musik liefern.
    C.H.

  3. Pingback: Nur ein paar Ideen… | ESC – Musicalprojekt

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