Die 10 besten deutschen ESC-Beiträge ab Conny Froboess

Deutsche Beiträge beim Eurovision Song Contest. Da fällt mir eine Positivliste tatsächlich erstmal leichter. Nicht so ganz in meine Top 10 schaffen es leider:

15. Lena Valaitis, Johnny Blue (1981) / 14. Roman Lob, Standing still (2012) / 13. Conny Froboess, Zwei kleine Italiener (1962) / 12. Max Mutzke, Can’t wait until tonight (2004) / 11. Wind, Für alle (1985)

Platz 10: Wencke Myhre, Ein Hoch der Liebe (1968)

Ich liebe Wencke für diesen kecken Auftritt, für ihre wunderbare charmante Mimik, für das unbeschreiblich knallgelbe Outfit, für ihre tapsig-burschikosen Bewegungen. Und weil sie tough genug war, als 19-jährige Norwegerin für Deutschland anzutreten, was ihr in der Heimat heftige Vorwürfe einbrachte. Der Krieg mit Nazi-Deutschland war noch zu präsent, da verzieh man ihr in Norwegen ihr „Fremdgehen“ nicht so leicht. Immerhin Platz 6.

Platz 9: Mary Roos, Nur die Liebe lässt uns leben (1972)

Eine der deutschen ESC-Ikonen, zweimal war sie dabei. Ich finde den Auftritt seehr charismatisch, sie holte damit einen dritten Platz.

Platz 8: Nicole, Ein bisschen Frieden (1982)

Nicoles Sieg ist auch Prototyp für einen kalkulierten Sieg. Mindestens in diesem Sinne war das wirklich Siegels größter Wurf. Das junge, bis ins Mark unschuldige kleine Mädchen, dass sich im braven Pünktchenkleid auf den Hocker setzt und in Anlehnung an gute alte Lagerfeuer-Romantik in die Gitarre klampft. Nur Nicole durfte dieses unschuldig-naive Friedensliedchen singen, ihr glauibte man das. Und auch das Bedürfnis nach einer schlichten Friedensbotschaft hatte Siegel gut erkannt. Die Engländer, die am gleichen Tag den Krieg um Falkland begannen, liebten Nicole. Was auch an der erneut schlau erdachten Zugabe (hier zu sehen) lag. Weltgewandt wechselte Nicole ihren Liedtext ins Englische, Französische, Holländische. Im Gegensatz zu Lena, die sich mit ihrem übertriebenen und überambitionierten Versuch eines authentischen britischen Akzents in England eher der Lächerlichkeit preisgab, sicherte Nicole bereits mit dieser Zugabe den internationalen Erfolg ihres Liedchens.

Platz 7: Katja Ebstein, Theater (1980)

Mein Siegel-Favorit. Ein Lied mit immer wieder neuen Wendungen, perfekt choreographiert und mit einer elegant-erhabenen Katja Ebstein, einer weiteren deutschen ESC-Ikone, die schon 1970 mit „Wunder gibt es immer wieder“ Dritte geworden war. Diesmal wurde sie Zweite, knapp geschlagen von Johnny Logan.

Platz 6: Guildo Horn, Guildo hat euch lieb (1998)

Zwei- oder dreimal haben deutsche Beiträge dem ESC ganz entscheidende Impulse verliehen. Einmal war das 1979 der Fall, vgl. dazu Platz 4. In den 90er Jahren erlebte der ESC meines Erachtens seine größte Krise. Im Zuge der irischen Dauersiege wurde die Veranstaltung zunehmend farblos und langweilig. Die Wende brachten a) das umstrittene Tele-Voting der Zuschauer und b) die Auftritte von Guildo Horn und Dana International beim Grand Prix 1998. Tabubrechend, provozierend und spaßorientiert kletterten und stolperten der Nussecken-Barde und die israelische Transsexuelle über die Bühne und revolutionierten so die altbacken gewordene Veranstaltung. Wenn die Bild-Zeitung eine Kampagne zum Thema „Darf dieser Mann Deutschland repräsentieren?“ lostritt, dann weiß man, hier hat jemand etwas richtig gemacht. Hab dich lieb, Guildo.

Platz 5: Hoffmann & Hoffmann, Rücksicht (1983)

Die Hoffmann-Brüder sangen diesen wunderbaren Volker-Lechtenbrink-Song im Jahr 1 nach Nicole und wurden damit respektable Fünfte. Sieht man die beiden heute, schwingt die traurige Tatsache mit, dass Sänger Günter Hoffmann sich rund ein Jahr später das Leben nahm, als er sich in Rio de Janeiro aus dem Fenster stürzte.

Platz 4: Dschingis Khan, Dschingis Khan (1979)

Dschingis Khan war für mich damals atemberaubend. Die machten ein Spektakel auf der Bühne, waren laut und bunt, das gefiel dem mitsingenden Grundschüler. Der Song war mutig, in seiner Zeit geradezu spektakulär, all das ließen spätere Siegel-Beiträge vermissen. Und sie veränderten das Deutschland-Bild in Europa. Denn der ESC fand in jenem Jahr in Israel statt. In Deutschland diskutierte man, ob Deutsche dort wirklich einen so martialischen Text (Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht) über einen historischen Massenmörder als unterhaltsame Pop-Nummer aufführen durften. Sie durften und sie holten für ihr Land nicht nur den vierten Platz, sondern auch Respekt und Anerkennung. Sie modern, schrill und lässig konnte Deutschland also sein.

Platz 3: Lena, Satellite (2010)

Für mich war 2010 inzwischen ausgeschlossen, dass Deutschland nochmal den Grand Prix gewinnen könnte. Zu sehr glaubte ich an die kulturellen Seilschaften, bei denen deutsche Beiträge zu wenig Lobby hätten. Das war ein Irrtum. Lena holte überall in Europa Punkte. Weil ihr Song so universell war, und sie selbst so charismatisch und gewinnend. Ich hätte ihr gewünscht, dass sie frühzeitiger auf den affektiert-übersteigerten british accent verzichtet hätte, international wäre dann vielleicht noch mehr drin gewesen.

Platz 2: Joy Fleming, Ein Lied kann eine Brücke sein (1975)

Das ist für mich der deutschsprachige Beitrag schlechthin. Ganz große Komposition, und Joy ist eine großartige Performerin, von ihrer Stimme müssen wir gar nicht reden. Das Stück ist eine Hymne.
17. unter 19 Teilnehmern wurde Joy Fleming. Eine Schande. Und ein Beweis, dass auch in den 70ern schon die Optik den Erwartungen der Massen entsprechen musste. Der nicht perfekte Körper in diesem froschgrünen Kleid und eine Frisur, die mehr nach Tante Ilse als nach Frida von Abba aussah – das scheint ein Faktor gewesen zu sein.

Platz 1: Texas Lightning, No no never (2006)

Das beste, was wir je zum ESC geschickt haben. Dieser unwiderstehliche Ohrwurm war wochenlang Nummer 1 in den deutschen Charts und dann die riesige Enttäuschung, dass Jane Comerford, Olli Dittrich und die anderen nur den 15. Platz erreichten. Da bin ich bis heute noch nicht mit fertig…

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10 Antworten zu Die 10 besten deutschen ESC-Beiträge ab Conny Froboess

  1. karin1210 schreibt:

    Meine Highlights waren Dschingis Khan, Katja Ebstein mit Theater und auch Guildo Horn und Lena.

  2. giftigeblonde schreibt:

    Das sind leider alles keine Highlights für mich.
    Wobei ich glaube ich kenne kein einziges Lied, egal aus welchem Land das ich wirklich hörenswert finde, also ich meine vom ESC.
    Naja vielleicht noch der Udo Jürgens: merci cherie

    Zwar auch nicht ganz mein Geschmack, aber zumindest kenne ich das heute noch, obwohl ich damals ein Kleinkind war.

  3. BOWMORE Darkest schreibt:

    Schöne Zeitreise mit privaten Erinnerungen.
    C.H.

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