Verbot des Handyverbots

Samsung

In den meisten Schulen gibt es ein Handyverbot. Heutzutage ist es wohl wie bei uns so geregelt, dass das „Handy“ ausgeschaltet in der Tasche zu sein hat, aber eben in die Schule mitgebracht werden kann. Das frühere Stadium, nachdem „Handys“ zu Hause zu bleiben hatten, ist überholt. Eltern haben nachdrücklich klar gemacht, dass das Mitführen des „Handys“ bei spontanen Änderungen des familiären Tagesablaufs hilft und zudem den Schulweg sicherer mache. Letzteres steht im Raum, obwohl Statistiken zeigen, dass das Leben in Deutschland für Kinder und Jugendliche in den letzten 50 Jahren auch ohne „Handy“ immer sicherer geworden ist.

„Ausgeschaltet in der Schultasche“ ist an unserer Schule keine realistische Beschreibung. Die Geräte sind meist auf stumm geschaltet und stecken in den Hosen. Gelegentlich klingelt es halt. Aber auch in anderer Hinsicht halte ich das Handyverbot mittlerweile für anachronistisch. Ein Aspekt ist rein formal: Gottseidank wendet sich Deutschland allmählich von dem Wort „Handy“ ab. Vielleicht weil es zu sehr an die Telefonierfunktion denken lässt, die heute oft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Gottseidank, weil das Wort „Handy“ ein Beispiel für die dämliche deutsche Neigung ist, etwas auf Englisch zu benennen oder wie hier noch schlimmer: ein englisch klingendes Wort zu nehmen (weil das ja so schick ist), das der Engländer hierfür gar nicht kennt. „Mobile phone“ oder „cell phone“ sind die englischen Entsprechungen, ein englisch sprechender Mensch ist verwirrt, wenn der Deutsche sein Mobiltelefon „Handy“ nennt, oder er denkt – und das macht es nicht besser – an im Englischen übliche Redewendungen wie „she’s a handy single“.

Smartphone ist das neue Wort, parallel dazu sind die Produktnamen im Gebrauch, allen voran das iphone. Und ein moderner Schulunterricht sollte Smartphones nicht länger verbieten, sondern von ihnen profitieren. Die Informationsbeschaffung ist eine auch im 21. Jahrhundert wichtige Kompetenz. Schulen, die immer noch und ausschließlich lehren, wie man in der städtischen Leihbibliothek klar kommt, übersehen, dass Information in weiten Teilen aus dem Internet stammt. Und ihre Beschaffung gelernt sein will. Ergo: Nutzen wir die Geräte der Schüler und integrieren sie in unseren Unterricht. Sinnvoll. Nicht planlos. Und nur nach Aufforderung oder Notwendigkeit. Weiterhin nicht bei Prüfungen, vor allem, wenn es dabei um den Nachweis erlernten Wissens geht. Aber beim Lernen. Das tragbare Kommunikationsgerät mit Internetzugang ist längst ein zentrales Element im Leben der Menschen. Der Zug, auf den Schulen hier aufspringen sollten, rollt schon.

Und ein Missbrauch der Smartphones wird durch das Handyverbot ohnehin nicht unterbunden. Die Mobbingproblematik („mobbing“ – auch so ein Wort…) in den sozialen Netzwerken existiert auch jetzt.

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Über derclownfisch

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7 Antworten zu Verbot des Handyverbots

  1. Herr Rau schreibt:

    Ich bin auch für die Integration für Handys. In den Unterricht, wo Handys ja eh schon genutzt werden können (scheitert bei mir oft an: kein WLAN auch keinen sonstiger Empfang im Gebäude), in der Mittagspause auch, über den Rest kann man reden.

    Aber zu „Heutzutage ist es wohl wie bei uns so geregelt“: Ich wüsste nicht, dass es je irgendwo anders geregelt war; ein Handyverbot habe ich noch an keiner Schule erlebt.

  2. Mir fehlt nur noch ein kleine Idee für die SchülerInnen, die sich kein Smartphone leisten können…..es gibt sie, die mit den nur gelegentlich aufgeladenen Prepaids oder unattraktiven nur- zum- telefonieren- mobile phones

  3. BOWMORE Darkest schreibt:

    Die Zeiten haben sich geändert. Als Eltern erwartet man, dass die Kinder/Jugendlichen zu erreichen sind, so wie man selbst erreichbar sein will. Ständig.
    Bei einem Schüler aus dem persönlichen Umfeld wurden zu Beginn des laufenden Schuljahres in der elften Klasse Tablets erlaubt. Nur drei Schüler durften sich die Dinger kaufen. Da ist wohl noch Aufklärungsarbeit notwendig.
    Dass wir gedankenlos neue Bezeichnungen (Handy) nachplappern, nun, da haben wir selber Schuld.

    • derclownfisch schreibt:

      Ich finde den Einsatz von Tablets im Unterricht interessant (vgl. Link oben). Sie schaffen vermutlich gute Lernumfelder. Bieten Potenzial auch für Unterrichtsarbeit. Müssten von der Schule bereit gestellt sein, damit Probleme wie das, was du beschreibst, vermieden werden.

  4. Mie schreibt:

    Oh ich erinner mich, dass ich das mal als Klassenarbeits-lerne-zu-argumentieren-Thema hatte (nicht bei Ihnen!). Schwieriges Thema. Ich finde die Idee Smartphones zu integrieren super (für mich neu, auch wenn der Artikel von 2014 ist), aber von Tablets bzw Laptops im Unterricht halte ich so gar nichts. Selbst in der Erwachsenenbildung (wo es in vielen Bereichen Standart ist), sind die „Schüler“ (ich weiß, Anführungszeichen sollen im Fließtext vermieden werden. Das waren Sie! :D) nicht in der Lage, sich auf den Unterricht zu fokussieren, sondern shoppen lieber währenddessen. Wie sollen das dann 14/15/16jährige können, die mit ihren Gedanken ja eh woanders sind. Die Ablenkung durch die neuen Medien ist sehr stark, da kann der Unterricht so gut sein, wie er will. Aber der Lehrer hat nunmal keine tanzende Katze zu bieten, Youtube schon. Aber das scheint wohl die neue Herausforderung für die Schulen zu sein. Wie ist es denn heute? Lg

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