10 der deftigsten Platitüden in Shades of Grey

Vor einem halben Jahr angefangen, in Band 1 zu lesen, dann wieder weggelegt. Die Banalitäten, die man der Autorin E. L. James vor allem im Hinblick auf die sprachliche Qualität ihrer Romane vorwirft, sah ich bestätigt. Auch inhaltlich schien mir der Anfang dann doch zu nichtssagend, man badet ja doch sehr in Klischees: Jung, unschuldig, verführbar, anhimmelnd, naiv versus dominant, makellos, beängstigend und hinreißend. Dazu ein bisschen Freud für Dummies: Miss Steele hat, so erfahren wir häufiger als wir möchten, eine gierige innere Göttin und ein machtloses normatives Unterbewusstsein.

Nun habe ich den Kindle aber doch wieder in die Hand genommen und weitergelesen. Man ist ja doch neugierig und will mitreden können. Wissen ist Macht (ups). Nach 60 % des ersten Bandes reichen mir jetzt die Fundstücke der Banalitäten, um hier eine Handvoll zu veröffentlichen. Das wäre sicher alles gar nicht so schlimm, wenn nicht Frau James dazu neigen würde, sich extrem zu wiederholen. Männer, die wissen wollen, wie Frauen so ticken, wenn es zur Sache geht, erfahren eigentlich nur zweierlei: frau stöhnt viel und spürt ein Ziehen im Unterleib. Hm.

Manches, was man in der Kritik, die die Romane ja schon sehr verrissen hat, lesen kann, mag ich dann aber doch nicht so ganz nachvollziehen. Wikpedia zitiert den verharmlosenden Begriff „mommy porn“ aus der englischsprachigen Rezeption – ne, so harmlos finde ich das alles nicht. Aber kann ja an mir liegen. Und die beiden Figuren entwickeln Gott sei Dank so nach und nach doch etwas mehr Tiefe. Ana hadert immerhin damit, ihr Selbstverständnis des gleichberechtigten Menschen für die devote Rolle, die Grey ihr abverlangt, aufgeben zu sollen. Und Mr. Grey, in den Augen der Studentin eher überirdischer und perfekter Batman, hat also doch noch eine andere Seite, wirkt so nach und nach als gebrochene, gestörte Persönlichkeit. Bin gespannt, was daraus noch wird.

10. Ich bin Wachs in seinen Händen.
Vorsicht Miss Steele. Solche Sprachbilder lieber nicht bei Mr. Grey erwähnen.

9. Er bedenkt mich wieder mit diesem wölfischen Grinsen, woraufhin ich prompt dieses merkwürdige Ziehen im Unterleib verspüre.
Pawlow wäre begeistert.

8. Christian Grey hat auch eine traurige Seite.
Bäm. Stimmt, denkt sich der Leser, jetzt merk ich’s auch. Ob er eventuell deshalb „Grey“ heißt, Ana?

7. Ich stöhne gedämpft auf. / Wieder stöhne ich auf. / Ich keuche vor Lust auf. / Als ich stöhnend auf das Bett sinke… / Ich stöhne auf.
Alle Fundstücke aus Kapitel 8.

6. Da er seine Ray-Ban trägt, sehe ich seine Augen nicht. Sein Mund zuckt. Er legt seine Hand auf mein Knie und drückt es sanft. Mir stockt der Atem.
Schon mal gut, stöhnen kann sie dann ja nicht…

5. Abermals drückt er mein Knie, bevor seine Hand zum Lenkrad zurückkehrt und er das Gaspedal durchtritt. Ich werde in meinen Sitz gedrückt. Wow, der Wagen hat Power.
Wow, das ist aber eine verklausulierte Metapher.

4. „Was ist Blümchensex?“, frage ich, um mich von seinem intensiven sexy Blick abzulenken.
Prima, Miss Steele, super Ablenkungsfrage.

3. Postkoitale Zöpfe stehen mir überhaupt nicht.
Liest sich das im Englischen erträglicher? Weiß das jemand?

2. Ich winde mich vor Verlangen, nein Begierde. So also fühlt sich Begierde an.
Danke, Mrs. James, so toll wurde das noch nie erklärt.

1. Als Letztes betritt Kate die Bühne, gefolgt von Christian.
Ohne Worte.

Abschließend sei gesagt: Ich habe mir auch schon 2 Stellen herausgepickt, die ich für sehr gelungen halte. Sollte ich auf 10 kommen, reiche ich selbstverständlich eine Gegenliste nach.

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Über derclownfisch

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18 Antworten zu 10 der deftigsten Platitüden in Shades of Grey

  1. jezabelbotanica schreibt:

    auch wenn ich Gefahr laufe mich völlig zu blamieren… was sind “ Postkoitale Zöpfe“??

  2. Katrin schreibt:

    Immerhin hast Du ca. 60 % von diesem Buch gelesen, ich habe – glaub ich – nicht mal 20 geschafft :-). Naja die Geschmäcker sind verschieden, meine Kolleginnen waren auch geteilter Meinung zu diesem „Roman“. Ich fand ihn einfach nur grottenschlecht. Ähnlich erging es mir mit der Wanderhure, vielgelobter Roman, für mich verschenkte Lesezeit.

  3. Katrin schreibt:

    Darf ich Dich etwas fragen? Wovon machst Du es abhängig, wenn überhaupt, ob Du ein Buch in Papierform kaufst, auf den EBookreader lädst oder einfach nur in der Bibliothek ausleihst?

    • derclownfisch schreibt:

      Also Kindle ist angesagt bei großen schweren Taschenbüchern und Angeboten. Eine Alternative sind aber immer die gebundenen Bücher, davon hätte ich gerne mehr. Bibliothek ist mit den Jahren völlig als Option weggefallen, eher schon leihe ich manchmal was bei Freunden…

      • Katrin schreibt:

        Danke für Deine Antwort. Bibliothek nehme ich für alles „Kriminalistische“ in Anspruch. Wenn ich einmal weiss, wer der Täter ist, lese ich das Buch nie wieder. Der EBookreader ist für den „Zwischendurch-Roman“ und Sach- oder zeitgeschichtliche Bücher kauf ich in Papierform.

      • derclownfisch schreibt:

        Interessante Unterteilung. :-)
        Besonders das mit den Krimis finde ich nachvollziehbar.

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